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  Der Alltag auf Krücken
 

Der Alltag auf Krücken

Trotz das sich auf meinen beiden vorhergehenden Seiten alles so "schön" gelesen hat, war es nicht immer einfach. Eine Beinverlängerung kann bei einem mehr oder weniger physisch und psychisch anstrengend sein. 

Bereits vor OP stellte mich der Prof. darauf ein das ich eine ganze zeitlang auf Gehhilfen gehen werde. Ich hab seine Mahnung schon ernst genommen aber ich dachte mir "ach so kompliziert wirds hoffentlich schon nicht werden".
Ein paar Tage vor der großen Operation wurde mir aber erst alles so richtig bewusst wieviel ich eigentlich auf 2 Beinen mache. Man isst unterm Gehen ein Eis, trägt schwere Sachen rum, öffnet problemlos Türen, trägt eine moderne Handtasche ok ich nicht weil ich die Dinger unpraktisch find und macht ganz viele verschiedene Dinge dessen man sich gar nicht bewusst ist.

Und dann kommt der Tag an dem sich alles ändert. Auf einmal bekommt man Krücken in die Hand gedrückt und den Hinweis das man mit 20 kg Teilbelastung gehen muss.
Man lernt das Krückengehen und Treppen steigen, den Rest muss jeder für sich selber rausfinden und entscheiden was für ihn wichtig ist und was nicht.

Im Laufe der Zeit denkt man immer praktischer. Vorher hatte ich immer eine Umhängetasche dabei, mittlerweile hängt sie im Schrank rum. Aus meinen schönen großen Geldbeutel wurde ein Minigeldbeutel in dem das wirklich Allerwichtigste drin ist.

Eine sehr ärgerliche und nervenaufraubende Zeit kann das weggehen, Einkaufen gehen oder nur einfache Unternehmungen sein.
Bus- und Zugfahren kann zur reinsten Katastrophe werdenn wenn die "richtigen" Leute auf der Straße sind.
Das sind dann Menschen die direkt am Eingang sitzen, einem zuschauen wie man verzweifelt versucht sich im fahrenden Bus festzuhalten, Krücken festhalten muss und gleichzeitig nicht zuviel Belastung auf das Bein bringen darf.
Manchmal sind es auch Menschen die dir mitten in den Weg rennen und meinen das man ausweichen würde.
Oft sind es auch welche die einem die Tür vor der Nase zuschlagen.
Die schlimmsten sind allerdings die die kerngesund sind, meinen sie haben 1000 Rechte und einem den 2. beanspruchten Platz für das Bein wegnehmen wollen. So nach dem Motto: Wir wollen ihr auf keinen Fall was gutes tun. Es könnte ja sein das der Schmerz nachlässt, wenn sie das Bein hochlegt.

In dieser Zeit entwickelt man einen wahnsinnig " dicken Pelz" und lässt sich wirklich nichts mehr gefallen.

Ich glaub jeder Beinverlängerer kann bestimmt ein paar unglaubliche Geschichten erzählen.

Diese Sachen sollen jetzt auf keinen Fall abschrecken. Den so wie es Menschen gibt die nicht hilfsbereit sind, gibts auch wieder welche die wirklich sehr nett sind, die Situation erkennen und helfen.

Angefangen bei den Leuten die einem den Sitzplatz frei machen bis zu denen die einen verteidigen bis hin zu welche bei denen ich sogar das Bein neben den Schoß hinlegen darf.

Und genau diese Menschen machens dann doch wieder etwas einfacher und können die Stimmung steigern.






Bewaffnet mit Fahrradhandschuhen für den besseren Griff, Schmerzgel und Stützverband für die Handgelenke weil die nach langer Belastung sehr weh tun können.
 
 
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